3. Tölten ist wie schweben, nein besser, wenn man´s kann!

Aller Anfang ist schwer


Erinnert ihr euch an die Bilder aus dem vorangehenden Kapitel, vor allem an das Bild, das meine Mutter mit Stjarni am Halfter zeigt? Vielleicht sind euch ihre leuchtenden Augen aufgefallen, die Bände sprechen: Stolz und glücklich war sie mit unserem ersten isländischen Freund, aber das waren wir eigentlich alle.

Mein Vater merkte schnell, dass er endlich gefunden hatte, was er schon so lange suchte, und so bekam Stjarni schon bald Gesellschaft von anderen Vertretern seiner Rasse.

Nun konnten wir also sonntags, wenn andere Familien zum Spaziergang aufbrachen, gemeinsam ausreiten, das hatte er sich schon immer gewünscht.

Meine Eltern genossen das sehr, aber wir Kindern fanden solche Famielienritte, ähnlich wie die meisten unserer zum Spaziergang verdonnerten Altersgenossen dieser Welt, eher langweilig.

Trotzdem war es eine sehr schöne Zeit, und es lag eine nicht zu greifende Aufbruchstimmung in der Luft. Nur einen kleinen Wermutstropfen gab es in unserer Idylle: Die Pferde waren zwar geländesicher, aber bequem? Weit weg davon!

Sie hoppelten eher durchs Gelände und ihre Reiter wurden ordentlich durchgeschüttelt. Da erging es mir, die noch immer auf einem Shetty dabei war, noch am besten.

Wie immer zögerte mein Vater nicht lange und griff zum Telefonhörer, um sich Rat bei Walter Feldmann sen. zu holen:

„Tja, wenn ihr nicht Tölt reiten könnt, ist das kein Wunder“, lautete seine knappe Analyse, „aber kein Problem, ich schicke euch mal meinen Sohn vorbei, der zeigt euch, wie´s geht!.“

Foto:  Walter Feldmann junior bei einem der ersten Töltlehrgänge in Wurz

Und er hielt Wort! 1972 kam Walter Feldmann jun. das erste Mal nach Wurz und zeigte uns, wie man töltet. Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Halten mehr, denn eins weiß jeder Reiter: Je besser man sein Pferd beherrscht, desto mehr Spaß hat man mit ihm – und wie viel Spaß richtiges Tölten macht, davon bekamen wir nun eine Idee.

Von da an kam Walter einmal im Jahr zu einem von meinen Eltern organisierten Reitkurs. Als er 1976 zu seinem legendären Ritt durch die USA aufbrach, wollte keiner mehr auf das jährliche Training verzichten und man suchte nach Alternativen, um auf dem eingeschlagenen Weg weiterzukommen.

Als ich neun Jahre alt war, durfte ich endlich das erste Mal am Reitkurs bei Walter teilnehmen. Inzwischen hatten wir sogar eine Ovalbahn, die allerdings mehr einem überdimensionierten Sandkasten glich.


Die Pferde konnten auf dem tiefen Boden nicht tölten, sodass die Anlage weitgehend unbenützt blieb und wir weiterhin im Viereck trainierten. Was für eine Fehlinvestition durch fehlendes Know How!

Das konnte aber die Begeisterung nicht trüben und der Ehrgeiz blieb ungebrochen, die reiterlichen Fähigkeiten zu verbessern. Inzwischen hatte der Isivirus sich schon weiter in Deutschland ausgebreitet. Immer mehr Menschen suchten ihr Traumpferd.

Die Schellenmühle bei Aschaffenburg war diesbezüglich ein Geheimtipp. Insider wussten, dass hier regelmäßig gute Importpferde zum Verkauf angeboten wurden.

Dort traf sich also alles aus der immer größer werdenden Islandpferdeszene. Oft waren schon nach drei Tagen alle Pferde verkauft.

Auch meine Eltern waren inzwischen vollkommen mit dem Virus infiziert, und so fuhren auch wir regelmäßig nach Aschaffenburg.

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