Ist es der richtige Riecher oder doch „nur“ Glück, wenn ein Kind von gerade zwölf Jahren sich gegen den Rat von anderen für ein Pferd entscheidet, mit dem es später einen Weltmeistertitel erkämpfen soll?


Sicher war, wie meist im Leben, beides im Spiel, als Vera dieses, und zwar nur dieses und kein anderes Pferd wollte – und ihre Eltern davon überzeugen konnte Frosti für sie zu kaufen. Aber das ist im Grunde nicht wichtig.

Viel entscheidender ist die Tatsache: Die Chemie stimmte zwischen den beiden. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie gemeinsam einen so langen Weg gegangen sind, mit allen Aufs und Abs, die in einer sportlichen Karriere dazugehören. Wie stark dieses Band war, sieht man den beiden am Ende ihrer Erfolgsgeschichte noch an.

Im Umgang war Frosti kein einfaches Pferd. Er ließ sich schwer fangen und trat schon mal nach dem Tierarzt. Auch konnte er panisch reagieren, wenn ihm etwas Angst machte. Auf einem Turnier erschreckte er sich einmal gewaltig vor der Blasmusik und rannte kopflos davon. Der Versuch ihn wieder einzufangen kostete Veras damaligen Lebensgefährten vier Zähne! Spätestens von diesem Zeitpunkt an hatte er seinen Ruf weg – und niemand wollte ihn mehr fangen.

Aber Vera wusste ihn zu nehmen und er vertraute seiner jungen Besitzerin. So wurden sie schnell ein Team, sowohl im Umgang als auch sportlich. Er enttäuschte den ersten Eindruck, den er auf dem Pferdemarkt in Aschaffenburg gemacht hatte, nicht, im Gegenteil:

Sein Tölt war phänomenal, und im gemeinsamen Training steigerte er sich in Ausdruck und Tempo. Schnell stellten sich die ersten Turniererfolge ein. Die beiden nahmen auch an sogenannten Töltrennen teil, einer Prüfung, die es heute nicht mehr gibt. Hier ging es nur um Geschwindigkeit, egal wie, Hauptsache schnell. Und das war Frosti weißgott!

1980 kam der erste große sportliche Erfog:

Mit sechszehn Jahren wird Vera deutsche Jugendmeisterin im Tölt.

Ihr Frosti, der später seine Spitzenleistungen im Pass erbringen wird, war bis dahin nur viergängig geritten worden und keiner ahnte zu diesem Zeitpunkt, welches Potential in ihm steckte.


FROSTI FRÁ FÁSKRÚÐARBAKKA

Geboren:       Auf Island im Sommer 1972
Exportiert:    Nach Deutschland am 22.03.1978
Gestorben:   Im Sommer 2007

Vater:                 Léttir frá Voðmúlastöðum
Mutter:               Muska frá Fáskrúðarbakka

TÖLTRENNEN

Das sogenannte Töltrennen war eine Disziplin, bei dem die Pferde in zwei Runden auf der Ovalbahn im Tölt ausschließlich auf Zeit geritten wurden. Erst mit sechszehn Jahren durfte man an diesen Rennen teilnehmen, die heute auf keinem Turnier mehr gezeigt werden. Umstritten waren sie immer, und Walter Feldmann sen. brachte das Fehlen der Ausdrucksnote bei einer Töltprüfung eimal durch einen anschaulichen Vergleich auf den Punkt:

„Das ist wie Wienerwalzer tanzen auf Zeit“! –

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