Die Entstehung des achtbeinigen Pferdes Sleipnir

Eine List und die zügellose Leidenschaft eines Hengstes retten die Götter aus einer Klemme – so erzählt die nordische Mythologie


Nachdem die Götter Miðgarður geschaffen und Valhöll gebaut hatten, tauchte eines Tages ein Zimmermann bei ihnen auf und schlug ihnen folgenden Handel vor:

Er versprach im Zeitraum von einem Jahr und sechs Monaten eine Schutzmauer um Ásgarður, den Wohnort der Götter, zu errichten, die so hoch und stabil sei, dass die Berg- und Reifriesen dort nicht eindringen könnten. Als Belohnung forderte er Freyja, die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit zur Frau – und obendrein die Sonne und den Mond.

Nachdem die Götter sich beraten hatten, willigten sie ein, aber nur unter der Bedingung, dass die Schutzmauer schon innerhalb eines Winters und ohne die Hilfe von Menschen fertiggestellt würde. Wenn sie am Sommeranfang nicht fertig sein sollte, wäre der Vertrag ungültig und der Zimmermann würde leer ausgehen. Dieser überlegte und bat schließlich darum, dass sein Pferd Svaðilfari ihm bei der Arbeit helfen dürfe. Erneut berieten sich die Götter und am Ende gelang es Loki* sie zu überzeugen, und so willigten sie ein.

Am ersten Tag des Winters begann der Zimmermann mit seiner Arbeit. Tagsüber mauerte er und nachts ließ er seinen Hengst riesige Berge von Steinen herbeischaffen.

Die Götter waren sehr überrascht, welche gewaltigen Mengen das Pferd schleppen konnte. Die Zeit verging und die Mauer wuchs und wuchs und erreichte schließlich eine Höhe, die wohl selbst ein Riese nicht überwinden würde.

Als nur noch drei Tage bis zum Sommeranfang verblieben, hatte der Zimmermann seine Arbeit fast beendet. Die Götter wurden unruhig und fragten sich, wer eigentlich dafür verantwortlich sei, dass Freyja nun wohl an einen gemeinen Zimmermann vergeben werden und der Himmel bald seine Schönheit einbüßen sollte, wenn Sonne und Mond ihn nicht mehr erstrahlen ließen.

Schnell machte man Loki als den Schuldigen aus und die Götter beschlossen ihn zu töten, es sei denn, er fände einen Weg, der sie von dem Vertrag mit dem Zimmermann entbinden würde. Sie machten dem armen Loki derartig Angst, dass dieser  eilig versicherte eine Lösung zu finden.

Am nächsten Tag war Svaðilfari erschöpft von seinem Abendteuer…

Noch am selben Abend, als Svaðilfari die letzten noch fehlenden Steine heranschleppte, kam plötzlich eine schöne Stute aus dem Wald herangetrabt und wieherte dem Hengst aufmunternd entgegen. Dies verfehlte seine Wirkung nicht:

Svaðilfari dachte nicht mehr an seine Arbeit, riss sich los und galoppierte hinter der Stute her, die in Richtung Wald davonstob. Der Zimmermann verfolgte die beiden und so rannten alle drei die ganze Nacht hindurch.

Am nächsten Tag war Svaðilfari  erschöpft von seinem Abenteuer und so schritt die Arbeit nicht wie bisher voran. Als der Zimmermann einsehen musste, dass er zum vorgegebenen Termin nicht fertig sein würde, wurde er fuchsteufelswild. So erkannten die Götter, dass er eigentlich ein Bergriese war, der die Götter durch seine Verkleidung täuschen wollte.

Deshalb sahen sie sich nicht mehr daran gebunden die vereinbarte Frist abzuwarten. Sie riefen den Donnergott Þór herbei, der sofort herbeieilte und mit seinem Hammer Mjölnir den Schädel des Bergriesen zertrümmerte.

Die geheimnisvolle Stute war niemand anderes als Loki gewesen, der zu einer List gegriffen hatte , um sein Leben zu retten.

Aus der Verbindung von Svaðilfari und Loki entstand ein schimmelfarbenes Fohlen mit acht Beinen: Sleipnir, das beste Pferd in der Welt der Menschen und der Götter.

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