Erró

Mein Bordercollie, der früher auf Island bei seinem ersten Besitzer Albert Jónsson als Sveitahundur (Hofhund) ein recht einsames Leben führte, ist schon immer ein furchtbarer Schlingel gewesen. Besonders ein Erlebnis mit ihm bringt uns heute noch zum Lachen.

Erró, der damals noch Kjarkur hieß, lebte in Hella auf Island ein recht freies Leben. Auf dem Nachbarhof wohnte eine Hündin, die er sehr mochte, und er besuchte sie täglich. Normalerweise stromerten die beiden dann draußen herum, aber immer wenn die Hündin läufig war, sperrte die Bäuerin sie in die Waschküche ein und passte auf wie ein Luchs, dass sie nicht in einem unbeobachteten Moment hinausschlüpften konnte.

In diesen Zeiten saß Erró vor der Tür und wartete leider vergeblich auf seine Freundin.

Eines Tages beobachtete die Bäuerin, wie der Hund wieder einmal vor ihrem Küchenfenster lauerte. Sie grinste und sagte zu ihm:

„Da kannst du lange warten, mein Lieber,  du hast schon viele Hündinnen in der Nachbarschaft beglückt, aber meine bekommst du nicht! Sie liegt in der Waschküche und die Tür ist zu, und so wird es auch bleiben!“

Die Bäuerin ging wieder ihren Arbeiten nach, ohne den Hund weiter zu beachten.

Am Nachmittag war die frischgewaschene Wäsche dran, die im Garten aufgehängt werden musste. Sie schnappte sich den Korb, öffnete die Tür zur Waschküche, nahm die Wäsche aus der Maschine und hängte sie draußen auf.

Dabei vergaß sie nicht sorgfältig hinter sich abzuschließen.

Als sie fertig war, nahm sie erneut den Korb und brachte ihn zurück in die Waschküche. Doch was musste sie sehen, als sie dort zufällig einen Blick durch das Küchenfenster in den Garten warf?

Da tobte tatsächlich dieser freche Bordercollie laut bellend und knurrend um ihre frisch gewaschene Wäsche und zog ein Stück nach dem anderen von der Leine herunter! Die Bäuerin wurde fuchsteufelswild.

„So ein Biest, aber na warte, dir werde ich´s zeigen!,“ dachte sie.

Wie eine Furie schoss sie aus der Tür und verjagte laut schreiend den Übeltäter, der tatsächlich sofort die Flucht ergriff. Zufrieden mit dem Ergebnis machte die Bäuerin sich daran, die Wäsche vom Boden wieder aufzusammeln. Doch plötzlich schoss ihr durch den Kopf:

„Wo ist eigentlich der ungezogene Köter abgeblieben?“ … Als es ihr dämmerte , war es bereits zu spät. Sie hatte dem Hund eine Lektion erteilt? – Von wegen! Das Gegenteil war der Fall, er hatte sie ausgetrickst!

Als sie kopflos in den Garten gestürzt war, hatte sie natürlich nicht daran gedacht, die Tür wieder zu verschließen. Der schlaue Hund hatte die sich so unverhofft bietende Gelegenheit schamlos ausgenutzt und war unbemerkt in die Waschküche geflitzt!

Oder sollte er gar das Szenario gar inszeniert haben, um die Bäuerin zu überlisten? Zuzutrauen wäre es ihm durchaus , aber das wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Fakt ist jedoch, dass zwei Monate später zwölf freche kleine Welpen das Licht der Welt erblickten.

1 Kommentar

  1. Vera am 29. November 2018 um 20:10 (Bearbeiten) Albert Jónsson ist das der Albert der früher der Reiter von Náttfari frá Ytra-Dalsgerði war ? Antworten

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