Eine Leserin teilt mit HestaSaga die wunderbaren Jahre, die sie mit ihrem ersten, für sie einzigartigen Islandpferd verbracht hat. Diese Zeit ist Christiane noch lebendig vor Augen, obwohl 22 Jahre vergangen sind, seit sie Blíða verlor.


Am 30. Juni waren es nun 22 Jahre, dass mein erstes eigenes Pferd die Regenbogenbrücke überquerte. Mein Herz hat es jedoch nie verlassen, auch wenn uns nur 2 ½ Jahre zusammen vergönnt gewesen sind und inzwischen sich nur ganz wenige Menschen überhaupt noch daran erinnern, dass ich nicht immer mit Fön ein Reiterpaar gewesen bin.

Bliða war mein Lieblingsreitschulpferd und hat sich innerhalb eines halben Jahres so in mein Herz geschlichen, dass ich sie unbedingt kaufen musste. Sie war eine wunderhübsche kleine Fuchsstute, aus Island importiert, hatte keinen beeindruckenden Stammbaum und nur wenig Aktion, aber sie war das Pferd für mich.

Sie war so unglaublich neugierig und mutig. Einmal ritten wir auf der Ovalbahn und ein Heißluftballon fuhr über uns hinweg und feuerte dabei heftig nach, weil er im Sinken begriffen war. Blíða blieb stehen und schaute fasziniert nach oben.

Ein anderes Mal machten eine Freundin und ich „Schrecktherapie“ auf dem Viereck mit unseren Rössern. Blíða stand vor mir und war ganz angetan von meinem Gymnastikband am Stock, mit dem ich Kringel machte: Die Haflingerstute Nina raste derweil beinahe den Zaun über den Haufen vor Panik.

So unerschrocken sie war, so ehrgeizig war sie in der Gruppe. Leider muss ich sagen, dass Paraden ihr teilweise völlig egal waren, und ihr Platz in der Gruppe war ihres Erachtens immer ganz vorne – auch wenn wir Ritte grundsätzlich hinten anfingen.

Nach Gruppenritten hatte ich die Hosenbeine voller fremder Pferdehaare und meine Mitreiter schmerzende Kniekehlen.

War Blíða einmal vorne, rannte sie im Galopp sogar Zickzack, um auch ja kein Pferd mehr vorbeizulassen. Bei ihrem Tempo kamen zwar nur wenige überhaupt in ihre Nähe, aber nun ja.

Den Tölt fanden wir anfangs kaum, den Trab überhaupt nicht. Nach einem halben Jahr kam dann der erste Viertakt auf Abruf und nach einem Jahr konnte sie sogar (am langen) Zügel traben.

Ein denkwürdiges Video von der Hessischen Meisterschaft 1994 zeigt uns in der Viergangprüfung, wie wir den Galopp total vermasseln, weil ich vor Nervosität erst dachte, wir wären auf der falschen Hand (die dicke Mähne war auch nicht hilfreich), dann kaum bremsen konnte, ein Rennpass/Wechseln/Kuddelmuddel verursachte und wir schließlich tatsächlich im Außengalopp aus dem Bild sausten, weil die freundliche Filmerin bei dem Tempo nicht mit der Kamera hinterherkam.

Ovalbahnkurven nahm sie im Galopp in Schräglage und das Dressurviereck war uns zu klein zum Galoppieren. Das wäre sicherlich mit den Jahren besser geworden, aber so viel Zeit war uns leider nicht vergönnt.

Blíða und ich waren begeisterte Rallyeteilnehmer und mein Geschirrschrank prunkt heute noch mit den Tassen und Holzbrettchen, die es in Kaufungen immer für die Teilnehmer gab. Gewonnen haben wir zwar nie, aber trotzdem viel Spaß gehabt.

Eine Wasserratte war sie auch. In der Nieste sind wir einmal sogar geschwommen, weil wir der Haflingerin meiner Freundin im Bachbett hinterherstiefelten und plötzlich der Bach zu tief zum Laufen wurde, weil gerade Hochwasser war. Da ist sie eben einfach losgeschwommen.

Sie lief mir ohne Strick überall hin hinterher und ich ritt sie ohne Sattel, nur mit Halfter im Gelände und von der und auf die Weide. Einmal bin ich total bescheuert über sie hinweggesprungen, weil ich zu viel Schwung hatte. Sie drehte sich zu mir um, schüttelte den Kopf und ging schon mal langsam zum Stall, während ich mich vom Boden hochrappelte.

Blíða hat leider im Juni 1996 einen Tritt ans Hinterbein bekommen und musste am Griffelbein operiert werden.

Danach hat sie noch eine Woche in der Aufwachbox gelegen und konnte nicht mehr aufstehen, da aufgrund eines nicht erkannten Herzfehlers die Sauerstoffversorgung der Muskeln während der Narkose ungenügend war und so eine Art gigantischer Kreuzverschlag entstand. Aufstellen konnte man sie nicht, da sie zu klein für das Geschirr war.

Eine Woche habe ich täglich neben ihr gesessen, sie betüddelt und gehofft – aber leider umsonst.

Auch wenn ich mir immer sage, es war gut, sie gehen zu lassen, da sehr wahrscheinlich war, dass sie, wenn überhaupt wieder auf den Füßen, kaum noch hätte laufen können – aber vermissen werde ich sie trotzdem ewig. Sie sollte jedoch meinetwegen nicht noch mehr leiden, denn zum kaputten Bein und den Muskelschmerzen war sie nach einer Woche großflächig und zentimetertief wundgelegen. So habe ich sie schweren Herzens gehen lassen.

Mein kleines, flinkes, mutiges Pferdchen mit dem frechen Blick.

Und wenn ich heutzutage mal auf einem Fuchs sitze, dem die Mähne um die Ohren wuschelt, dann kommen mir immer noch die Tränen, weil ich an Blíða denken muss.

BLÍÐA FRÁ KROSSI

ABSTAMMUNGSINFORMATIONEN 

Geboren:          Auf Island im Sommer 1986
Exportiert:        Nach Deutschland am 28.04.1993
Gestorben:       30.06 1996

Vater:               Hrafn 583 frá Árnanesi
Vv.:                     Krummi frá Borgum
Vm.:                    Stjarna frá Árnanesi

Mutter:             Fjöður frá Krossi
Mv.:                   
Blesi frá Austvaðsholti 1
Mm.:                 Jörp frá Hjaltastöðum

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2 Responses

  1. Liebe Christiane,
    obwohl ich keine Reiterin bin und nichts vom Reiten verstehe, hat mich deine Geschichte sehr berührt, denn daraus spricht deine große Liebe zu deinem ersten Pferd – und Tiere liebe ich auch, egal welche. Und wenn du davon sprichst, dass dir in manchen Situationen die Tränen kommen, weil du dabei an Blida erinnerst wirst, kann ich das sehr gut nachempfinden – auch wenn ich dabei nicht an ein Pferd, sondern an „Nuca“ denke – eine spanische Mischlingshündin, die mit ihren Augen/Blicken „Bände“ sprach! Ich hoffe, dass ich sie einmal im Himmel wiedersehen werde – und das wünsche ich dir mit Blida auch!
    PS: Hast du nach Blida wieder Pferde besessen?

    1. Hallo Friederika!

      Vielen Dank für Deine lieben Worte! Ja, ich habe kurz darauf eine Stute gekauft, die ich ebenfalls sehr, aber anders liebe. Sie wird jetzt 31 und wir können in 1 1/2 Jahren Silberhochzeit feiern 🥰
      Und vor kurzer Zeit kam noch ein junges Stütchen dazu. Sie hat mich einfach verzaubert.
      Man lernt alle seine Tiere kennen und lieben, jedes auf einzigartige Art – und ich werde jedes auf seine Art vermissen. Das geht mir mit meinen Pferden und Katzen so. Der Gedanke, sie am Ende der Regenbogenbrücke wiederzusehen, ist sehr schön. Bis dahin tragen wir sie weiter im Herzen.
      Liebe Grüße

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