Manchmal lohnt es sich Geschichten zu schreiben, denn:

Mit diesem Märchen hat Marie im Alter von 11 Jahren auf der Icehorse 2008 im Schreibwettbewerb zwei Flüge nach Island gewonnen!

Es war Winter auf Island. Eine dicke Schicht Schnee lag auf den Dächern der Häuser und es wagte sich kaum jemand vor die Tür. Doch plötzlich konnte man eine kleine Gestalt erkennen. Sie entfernte sich eilig vom Dorf.

Zu dieser Zeit rief in einem der Häuser laut eine Kinderstimme: „Mama! Papa! Laila ist weg! Sie hat einen Brief auf den Küchentisch gelegt. Hört euch das an:


Macht euch bitte keine Sorgen um mich.

Ich komme wieder!
Versucht nicht mich zu finden, denn ihr kennt den Weg durch den Schnee nicht.
Hört auf mich!

In Liebe eure Laila“

„ Was sollen wir nur tun?“, erscholl darauf eine hysterische Frauenstimme.

„Wir sollten auf sie hören. Wir würden sie bei diesem Schnee sowieso nicht finden. Außerdem sind ihre Spuren wahrscheinlich schon lange von neuem Schnee bedeckt worden“, entschied eine Männerstimme.

„Da hat Papa Recht“, sagte die Kinderstimme.

„Aber Anja-Schätzchen! Ferdinand…“, gab die Frauenstimme nun ängstlich zurück. „ Aber wenn ihr meint“, lenkte sie schließlich zögernd ein, doch ihre Sorge war nicht zu überhören.

Laila wusste genau, was sie wollte. Sie wollte zu den Pferden, die sich im Winter immer weit von dem Dorf, in dem sie lebte, zurückzogen. Es waren die schönsten Pferde, die sie je gesehen hatte.

Wenn sie anfingen zu galoppieren, zu tölten oder zu passen, wehten ihre langen Mähnen im Wind. Sie hatten keine Furcht vor Wind und Wetter – sie waren einzigartig!

Zu ihnen wollte Laila. Zu ihnen ging sie schon immer. Im Frühling, im Sommer und im Herbst. Immer zu den Zeiten, wo sie keiner vermissen würde.

Aber sie war noch nie im Winter bei ihnen gewesen, weil sie zu dieser Jahreszeit immer jemand vermissen würde. Dieses Jahr war ihr das jedoch egal gewesen. Sie hatte einen Zettel hinterlassen. Das musste reichen.

Da waren sie. Die Islandpferde. Laila pfiff durch die Zähne. Die Pferde hoben die Köpfe, sie kannten sie gut. Als sie auf sie zuging, kamen sie ihr entgegen. „Drellir!“, er hatte sie bereits erreicht „Na, du Schlafmütze“, sie hatte ihm diesen Namen gegeben, weil er einfach perfekt passte!

Drellir war der Ranghöchste. Er hatte eine dicke, helle Mähne und ein flauschiges Fell, das etwas heller war als bei einem Braunen, aber noch nicht ganz so hell wie bei einem Fuchs. Er war wunderschön – aber auch immer sehr verschlafen. Deshalb hatte er von Laila den Namen Drellir bekommen. Schlafmütze.

Als nächstes kam Litla. Die Kleine. Sie war klein und zierlich. Litla war eine Scheckstute. Sie war verträumt und stolperte manchmal über ihre eigenen Füße. Laila begrüßte auch sie.

Danach kamen nach und nach auch die anderen Pferde: Ofsi, der temperamentvolle, ungestüme Hengst der Herde, Ósk, die aussah, als wäre sie aus einem Märchenland entsprungen, und schließlich Jaki, ein prachtvoller Schimmel.

Alle Pferde aus dieser Herde waren wunderschön. Und es bereitete Laila jedes Mal Schwierigkeiten, sich eines von ihnen auszusuchen, um es zu reiten.

Heute entschied sie sich für Músa, eine mausgraue Stute mit dickem Fell. Músa war sehr liebevoll.

Laila schwang sich auf ihren Rücken. Ohne Sattel und ohne Gebiss. All das brauchte sie auf diesen Pferden nicht. Sie trieb Músa mit der Stimme an, und schon lief sie los.

Sie töltete über die verschneiten Hügel und Wiesen. Die ganze Herde lief ihnen hinterher. Músa durfte den Weg bestimmen. Laila schloss die Augen. Sie war noch nie geflogen, aber genau so fühlte es sich an.

Nach einer Weile machte Músa kehrt und brachte Laila wieder zurück an die Stelle, an der sie die Herde gefunden hatte.

Plötzlich geschah etwas Merkwürdiges:

Músa sprach mit Laila! – Und Laila konnte sie tatsächlich verstehen!

Músa bedankte sich bei ihr dafür, dass sie gekommen war. Nun hörte sie auch Jaki, Ósk, Ofsi, Litla, Drellir und all die anderen Pferde, denen Laila Namen gegeben hatte. Alle bedankten sich bei ihr.

Laila war sprachlos. Noch nie in ihrem Leben hatte sie Pferde verstehen können. Und jetzt geschah es einfach so.

Plötzlich schrie ein Vogel in die Menge. Auch diesen konnte Laila verstehen. Sie konnte die gesamte Tierwelt verstehen!

Aber die Nachricht, die der Vogel ihnen überbrachte, war keine gute!

Die Trolle würden sie angreifen, zwitscherte er aufgeregt. Laila hatte bis jetzt noch nicht wirklich an Trolle geglaubt. Aber diese Nachricht ließ ihr einen eisigen Schauer über den Rücken laufen.

Es hieß, dass die Trolle alles Gute zerstören wollten. Und dass sie es auch schaffen würden. Aber es hieß auch, dass es vielleicht Rettung gäbe. Ein Menschenkind müsste kommen und die Tier- und Fabelwelt verstehen.

Denn es gab nur eines, wovor die Trolle sich fürchteten: die Menschenkinder!
Dieses Menschenkind müsste einen Stein finden. Einen schönen Stein, den man nicht überall findet, und dieser Stein müsste den Pferden gefallen.

Allen von ihnen. Mit diesem Stein könnte das Kind einen Ring um das Gute zaubern. Überall dort, wo die guten Wesen sich versammelten, würden die bösen Wesen weichen müssen.

Doch wenn nur eines der Pferde verschwieg, dass ihm der Stein nicht gefiel, dann würde der Zauber nicht wirken, und alle guten Wesen würden für immer dem Bösen gehorchen müssen.

„Laila, verstehst du mich?“, riss Drellir sie aus ihren Gedanken. Laila, die noch ganz verwirrt war von dem, was der Vogel ihr gerade erklärt hatte, antwortete: „ Na klar verstehe ich dich! Ist das etwas Besonderes?“

„ Ja, natürlich ist das besonders! Kennst du denn die Weissagung der Fabelwelt nicht? Ein Menschenkind muss…“ „Doch, doch ich kenne sie. Denkt ihr, ich bin dieses Kind?“, unterbrach Laila Drellir.

„Wer denn sonst? Es gibt nur ein einziges Menschenkind, das diese Gabe besitzt. Das bist du! Bitte suche den Stein und…“

Doch da hielt Laila schon einen Stein in der Hand. Er sah etwas mickrig und dreckig aus.

Die Pferde schüttelten die Köpfe. Auch beim nächsten und übernächsten Stein kamen die Pferde auf dasselbe Ergebnis.

Laila musste in immer verzweifeltere Gesichter schauen. Doch plötzlich hob sie einen Stein hoch, und jedes der Pferde war einverstanden.

Er war sehr groß und hatte einen roten Schimmer. In der Sonne begann er zu glitzern. Es war ein richtiger Edelstein.

Da kam ein großer Vogel mit einem dicken Buch angeflogen. Er legte das Buch auf dem Boden ab, trippelte einige Schritte nach hinten und guckte Laila auffordernd an.

Laila verstand und öffnete das Buch. Erstaunt betrachtete sie die leeren Seiten, jede einzelne, bis sie schließlich in der Mitte des Buches eine einzige beschriebene Seite fand.

Auf ihr stand in verschnörkelter Schrift:

DIE ZAUBERFORMEL

DAS MENSCHENKIND MUSS DIES MIT DEM STEIN IN DER HAND SPRECHEN:

Mit diesem Stein ist alles vorbei!

Gut und Böse ist niemals vereint.

Das Böse wird nie den Weg mit dem Guten teilen.

Es muss in seinen dunklen Löchern verweilen!


WENN DAS KIND GESPROCHEN HAT, MÜSSEN DIE ISLANDPFERDE ES IHM NACHTUN! WENN DAS GESCHEHEN IST, WERDEN ALLE GUTEN WESEN DIESE FORMEL NOCH EINMAL MIT DEM KIND ZUSAMMEN SPRECHEN.

Dann ist es vorbei!

Genau so taten sie es. Keine Sekunde zu früh! Denn genau in dem Augenblick, als die guten Wesen fertig gesprochen hatten, sprangen die Trolle aus dem Wald.

Sie hielten genau auf  die Gruppe der Guten zu. Doch plötzlich geschah etwas. Die Trolle kamen näher und näher, bis einer von ihnen direkt vor Litlas Vorderhufen gegen etwas stieß.

All die anderen Trolle prallten ebenso gegen etwas, was man nicht sehen konnte, bis sie sich wütend zurückzogen. „Es war der Ring um das Böse!“, stieß Ósk stolz hervor.

„Es hat geklappt, er hat uns gerettet!“ Ein lauter Jubel brach aus. Sie feierten mit Laila, bis sie gehen musste, aber Laila versprach, dass sie bald wiederkommen würde.

Zu Hause wurde sie schon von allen erwartet. Doch sie erzählte nichts von dem Angriff des Bösen, nichts von den Pferden, die sie hatte sprechen hören. Das hatte sie geschworen.


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