Jarpskjóni’s trauriges Schicksal

Vielen Schriften, die von früheren Zeiten erzählen, ist zu entnehmen, dass die Isländer ihre Arbeitspferde hart gefordert haben und oft schonungslos mit ihnen umgegangen sind. Dass Pauschalurteile die Wirklichkeit nicht immer treffen, zeigt der folgende Bericht aus dem Jahr 1889.


In der Regel lieben Menschen ihre Reitpferde mehr als ihre Arbeitspferde. Das ist auch verständlich, da die Reitpferde ihren Besitzern viele Glücksmomente schenken und sie sogar bisweilen durch unwegsame Landschaften tragen.

Es kommt aber auch vor, dass Menschen ihre Arbeitspferde genau so schätzen wie ihre Reitpferde. Ich habe vor langer Zeit ein braungeschecktes Pferd mit dem Namen Jarpskjóni besessen. Als ich es erwarb, war es vier Jahre alt und es blieb bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr bei mir.

Jarpskjóni hatte eine durchschnittliche Intelligenz und einen guten Charakter, er war geduldig, brav und sehr treu. Ich wusste, dass ich diesem Pferd viel zu vedanken hatte. Deshalb habe ich es auch nie an andere verliehen oder bei Fremden in Winterpension gegeben.

Einmal haben meine Mitarbeiter ihn für eine Strecke über einen Berg mit einer übermäßigen Last beladen. Doch auch diese hat Jarpskjóni mit der größten Selbstverständlichkeit nach Hause getragen und war genauso gut gelaunt wie immer, als er am Hof ankam.

Er war nie unwillig, selbst dann nicht, wenn Kinder sinnlos an ihm herumzerrten. Auch versuchte er nie auszureißen, er blieb immer brav dort, wo man ihn abstellte. Kurzgesagt, er hat die 12 Jahre, die er in meinem Besitz war, nie jemandem etwas zu Leide getan.

Es gibt sicher nicht viele menschliche Mitbewohner, von denen man dasselbe behaupten könnte. Ich habe Jarpskjóni versprochen, dass nur der Tod uns scheiden würde.

Als meine Lebenssituation sich verändert hatte und ich sehr viel reisen musste, habe ich beschlossen meinen Hof bei einer Auktion zu verkaufen.

Jarpskjóni war zu dieser Zeit sechszehn Jahre alt, hatte gute Zähne und sah sehr fit aus – er war in der Blüte seines Lebens. Ich wollte ihn daher weder töten lassen noch verkaufen. Ich beschloss, ihm als Dank für seinen  langen und treuen Dienst in den kommenden Jahren ein gutes Rentendasein zu ermöglichen.

Im Sommer sollte er frei auf der Hochlandebene mit der Herde laufen und im Winter wollte ich bei Freunden ein gutes Winterquartier für ihn finden.

Als die Auktion stattfand, war ich im Ausland. Aus einem mir unbegreiflichen Grund ist Jarpskjóni dabei verkauft worden. Als ich wieder in Island war und davon erfuhr, begab ich mich sofort zum Gemeinderatsvorsteher, um herauszufinden, wer das Pferd gekauft hat. Ich erfuhr, dass Jarpskjóni nach Eyjafjörður, das im Norden von Island liegt,  verkauft worden war. Ich schickte sofort jemanden aus der Region dorthin, um ihn wieder zurückzukaufen.

Doch mir wurde per Telegramm mitgeteilt, dass das Pferd bei einem Pferdetauschhandel bereits wieder nach Ostisland verkauft worden war. Das alles war nur innerhalb eines Monats geschehen. Ich habe viele weitere Anläufe genommen, um Jarpskjóni zu finden, aber alle meine Bemühungen führten zu nichts.

Sollte das Jarpskjónis Lohn am Ende seiner treuen Dienste bei mir sein, dass er ständig den Besitzer wechseln musste? Obwohl dies von mir weder geplant noch gewollt war, betrachte ich Jarpskjóni’s Schicksal als eines der traurigsten Geschehnisse in meinem Leben und bedauere zutiefst, dass es passiert ist.

Ich habe mich oft gewundert, wie gedankenlos, kühl und undankbar, ich möchte fast sagen bösartig  Menschen sein können, wenn sie ihre Reitpferde, die ihre Besitzer jahrelang auf dem Rücken getragen, ihnen  Freude bei Ausritten geschenkt und manchen von ihnen vielleicht sogar das Leben gerettet haben, einfach verkaufen.

Das ist ein beschämender Lohn für lange treue Dienste. Denn den meisten Menschen ist wohl bekannt, wie mit alten Pferden im Pferdehandel umgegangen wird. Man lässt sie arbeiten, obwohl sie lahm oder verletzt sind, weil sie wie der Spruch so sagt, Sie sollen sich bis auf die Knochen zu laufen haben.

Tryggvi Gunnarsson

Entnommen aus der Zeitschrift  „Dýravinurinn“,  3. Jahrgang 1889, 3. Heft, S. 45 mit dem Originaltitel „Jarpskjóni“

Die Geschichte ist möglichst textgenau aus dem Isländischen übertragen worden, um ihren Charakter nicht zu verändern.

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