Mit Vera verbindet jeder automatisch das Islandpferd. Aber wann und vor allem wie ist es in ihr Leben getreten? Hier gewährt sie uns einen sehr persönlichen Einblick in ihre Kindheit.


Die Sonne scheint und wir sitzen gemütlich mit Vera bei Wasser und Wein. Den Namen Vera Reber kennt wohl jeder in der Islandpferdeszene und die meisten kennen auch ihr Ausnahmepferd Frosti, das nach zahlreichen internationalen, gemeinsam  erstrittenen Titeln auf der internationalen Bühne schließlich einundzwanzigjährig  mit ihr Vizeweltmeister im Passrennen wurde.

„Das war 1978 in Wurz in der Oberpfalz in Bayern“, beginnt Vera ihren Bericht. „So ein Pferd hat man nur einmal im Leben. Frosti habe ich viel zu verdanken, er hat mein Leben geprägt!“

Mit ihm hat sie erreicht, wovon viele Sportreiter träumen. Aber heute wollen wir nicht über Frosti sprechen, noch nicht.

Als Weltmeisterin wird man nicht geboren und der Lipperthof, den die Familie Reber in nur zwei Generationen zu einem der  renommiertesten Islandpferdehöfe Deutschlands aufgebaut hat, war Ende der siebziger Jahre noch weit davon entfernt.

Geboren ist Vera  in Weiden in der Oberpfalz, einem Nachbarort von Wurz. Hier verbrachte sie auch ihre ersten Lebensjahre.

1972 kauften die Eltern den heutigen Lipperthof und schon 1978 zog die Familie nach Wurz auf den Hof, der mitten in der ersten Umbauphase steckte.

Man kann sich kaum noch vorstellen, dass auf der großen, gepflegten Anlage, wo  heute circa 150 Pferde Platz finden und sowohl Aufzucht und Haltung der Pferde, als auch das Training für Mensch und Tier nach modernstem Standard angeboten wird, damals nicht viel mehr als ein kleines, unscheinbares Haus stand.

Damals ja wie war das eigentlich  damals, als plötzlich so viele Menschen in Deutschland ihr Herz für das Islandpferd entdeckten, und warum ausgerechnet für diese Rasse?

Wie kamen die Menschen an die Pferde, wer bildete sie aus – und wer konnte sie überhaupt reiten? Die Kenntnisse über die kleinen Pferde aus dem Norden, die in Deutschland so schnell in Mode kamen, waren äußerst überschaubar, und es gab kaum Zuchtstätten und Reitbetriebe, wo Anfänger und Fortgeschrittene das passende Pferd  finden und Tölt und Pass erlernen konnten.

Damals war alles anders, so viel steht fest, aber wie war es denn eigentlich?

Sicher gibt es eine Menge interessante Geschichten, wie alles begonnen und sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Veras Geschichte gehört auf jeden Fall dazu.

„Das war Ende der sechziger Jahre“, erzählt sie uns, „und ich war noch ziemlich klein, noch nicht einmal ein Schulkind. Alles hat mit meinem Vater begonnen.

Er war sehr naturverbunden und nicht nur ein Pferdefreund, sondern insgesamt ein außergewöhnlicher Tiernarr – manchmal zum Leidwesen meiner Mutter.

Es gab Zeiten, da kam er fast täglich mit einem anderen Tier von der Arbeit nach Hause. Mal war es ein Hund, ein anderes Mal ein Kaninchen. Nicht jedes neue Familienmitglied fügte sich problemlos in die Hausgemeinschaft ein, und wenn der Zwergziegenbock, den mein Vaters eines Tages anschleppte, die liebevoll gezogenen Rosen meiner Mutter verspeiste, konnte schon mal der Haussegen schiefhängen.

Das dauerte jedoch nie lange an,  vor allem aber konnte es  meinen Vater nicht davon abhalten, schon bald mit einem neuen Vierbeiner vor der Tür zu stehen.

Die ersten Pferde, die zur Familie gehörten, waren die Stute Orna und der Wallach Presto, zwei Shetlandponys. Aber auf denen konnte mein Vater natürlich nicht reiten –  und genau das war sein großer Traum.

Wen wundert´s, dass er schon bald ein Reitpferd anschaffte, eine Warmblutstute, die in der Box in einem nahegelegenen Reitstall untergebracht wurde.

Doch der Traum von entspannten Ritten am Wochenende sollte sich mit diesem Pferd nicht erfüllen. Mein Vater war ein vielbeschäftigter Mann mit wenig Freizeit. Wenn er höchstens einmal in der Woche die Zeit zum Reiten  fand, hatte die Stute reichlich Energie aufgestaut und buckelte mit ihm durch die Halle. Zum Glück verletzte er sich nie ernsthaft, aber so hatte er sich das nicht vorgestellt!

Doch so schnell gab er nicht auf – und schon bald hatte er eine neue Idee:

Eines Abends fielen ihm die Kinderbücher von Ursula Bruns ein, die wir zu Hause hatten, „Dick und Dalli und die Ponys“,  Erzählungen von  struppigen kleinen Ponys,  die heute viele vor allem durch die Verfilmung „Die Mädels vom Immenhof“ kennen.

Vielleicht wären  die  ja das Richtige für gemütliche Ausritte am Feierabend? Doch wo waren diese lustigen Pferdchen zu finden?

Mein Vater wäre nicht mein Vater, wenn er nicht bald einen Plan gehabt hätte das herauszufinden! Wie – davon erzähle ich euch bald!“ –

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